Freitag, 18.05.2012 11:59 Uhr

Christo-Hommage in Brühler Museum

Verfasser: Martin Brand , 17.06.2010, 14:56 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 1651x gelesen

Publikumsansturm: 750 Besucher wollten den weltbekannten Verhüllungskünstler Christo erleben (Brühl, 17. Juni 2010) Am Dienstag, 15. Juni 2010, zwei Tage nach seinem 75. Geburtstag, war der Verpackungskünstler Christo im Max Ernst Museum Brühl des LVR exklusiv zu Gast. Die Veranstaltung "Wrapped" stieß auf so großes Interesse beim Publikum, dass der Vortrag sogar auf Leinwände übertragen werden musste. Insgesamt haben 750 Besucher an der Lecture teilgenommen.

Der Effekt ist verblüffend. Ein Blick auf die Bilder reicht aus, um die Erinnerung aufleben zu lassen.

Die Kunstwelt trauert Es war ein riesiger Schock für die Kunstwelt, und nicht nur für sie, als am 18. November vergangenen Jahres die Nachricht vom völlig unerwarteten Tod Jeanne-Claudes die Runde machte. Wie siamesische Zwillinge hatten Christo und Jeanne-Claude, beide am 13. Juni 1935 geboren, er in Bulgarien, sie in Marokko, fast ein halbes Jahrhundert lang für künstlerische Überraschungen und unvergessliche Erlebnisse gesorgt. Sie hat über das gemeinsame künstlerische Arbeiten einmal gesagt: "Christo ist der Motor, ich bin sein Gaspedal." Mit Jeanne-Claudes Tod hat der Künstler einen herben Verlust erlitten. "51 Jahre lang haben wir wirklich alles zusammen gemacht", betont er in Brühl.

Die Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude haben weltweit für Diskussionen gesorgt, oft auch für Kontroversen. Und gerade deshalb hat sie sich eingeprägt, sogar bei Leuten, die sich ansonsten wenig für Kunst interessieren.

Doch antriebslos wirkt er durchaus nicht. Das Künstlerpaar hat sich gegenseitig versprochen, die Arbeit weiter zu führen, wenn einer stirbt. Und das tut Christo mit viel Energie. Er sieht gesund aus und hält seinen Vortrag sehr konzentriert. Er erinnert sich genau, in welchem Jahr er an welchem Projekt gearbeitet hat. Nur ein paar Namen fallen ihm nicht gleich ein, da hilft ihm ein Vertrauter weiter - Christo ist mit einem ganzen Stab von Mitarbeitern und Freunden nach Brühl gekommen.

Das Brühler Max-Ernst-Museum widmet jetzt dem Künstlerpaar eine Ausstellung mit dem Titel „Wrapped“ - in Erinnerung an Jeanne Claude. 70 Collagen, Zeichnungen, Skizzen, Objekte und Modelle aus der baden-württembergischen Sammlung Würth sind im Raum für Wechselausstellungen zu sehen.

Berliner Reichstag, das Herzstück Herzstück ist ein Modell des verhüllten Berliner Reichstags, drei mal fünf Meter groß. 23 Jahre lang haben Christo und Jeanne-Claude beharrlich ihren Plan beworben. Von 1971 bis zur Realisierung im Jahr 1995 arbeiteten Christo und Jeanne-Claude daran, weckten Willy Brandts Interesse und mussten Helmut Kohls Missbilligung verkraften

1994 stimmte der Bundestag endlich zu, und schon 1995 wurde das Aufsehen erregende Kunstprojekt realisiert. Fünf Millionen schauten ihnen dabei zu. Die Brühler Ausstellung stellt das maßstabgetreue Modell des eingehüllten und verschnürten Baus nun ins Zentrum, hängt drum herum Entwürfe und Zeichnungen.

In einer "lecture" gab der in Amerika lebende "Verpackungskünstler" Einblicke in sein Kunstverständnis und sprach über die beiden laufenden Vorhaben, die ihm nach dem Tod seiner Frau geblieben sind. Es sind zwei Projekte, die Christo aktuell auf dem Tisch liegen hat: Geplant ist, aus insgesamt 410.000 Ölfässern ein gigantisches Bauwerk in der Wüste von Dubai zu erschaffen, welches in seinen Dimensionen die Cheops-Pyramide überflügeln wird.

Anders als bei allen vorausgegangenen Aktionen des Künstlerpaares, wird dieses Projekt nicht durch den Verkauf von vorbereitenden Collagen, Zeichnungen und Skizzen finanziert. Dieses Mal ist es vorgesehen, dass der Scheich die Kosten übernimmt. Obwohl das Projekt bereits seit 1977 in Planung ist, führten der Krieg zwischen Iran und Irak, und die sich verschlechternde politische Situation im Nahen Osten dazu, dass dieses seit 1980 ruht.

Weiter fortgeschritten und in der Ausstellung durch Collagen vertreten, ist das Vorhaben in Colorado. Unter dem Titel „Over The River“ will der Künstler dort auf einer Strecke von über 60 Kilometern den Arkansas River mit Stoffbahnen überspannen. Zur Zeit laufen umfangreiche Genehmigungsverfahren mit Behörden und der Regierung von Colorado, die den aufwendigen Vorbereitungsarbeiten folgten. Christo erläuterte ausführlich den oft langen und steinigen Weg eines Projektes von der Planung bis zu seiner Ausführung. Frühestens im August 2013 soll das Projekt umgesetzt werden, welches man sowohl vom Fluss als auch vom umgebenden Ufer aus erleben kann.

Info Die Ausstellung ist bis 26. September, im Max-Ernst-Museum in Brühl, Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1, zu sehen. Geöffnet ist das Museum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11 bis 21 Uhr. Montags (auch Pfingstmontag) ist geschlossen. Mehr Fotoimpressionen unter "My Gallery" Kommerzielle Fotoanfragen: presse-brand@web.de Wichtig Für Bildmaterial stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Jede private oder gewerbliche Veröffentlichung ist nur mit schriftlicher Genehmigung und deren Auftraggebern erlaubt.

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