Montag, 21.05.2012 17:23 Uhr

Die Leichtigkeit des Seins

Verfasser: Matthias G. Hagenhoff , 27.07.2010, 13:27 Uhr
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Die Leichtigkeit des Seins Von Matthias G. Hagenhoff Als ich mir im Momme-Nissen-Haus auf der Nordseeinsel Pellworm das liebevoll restaurierte „Evangelistenfenster“ betrachtete, kam mir ganz spontan eine Legende des österreichischen Dichters Martin Gutl in den Sinn: „Eines Tages hatten die Heiligen in der Kirche das Stehen satt. Petrus stieg vom Kreuz herab, Barbara sprang um den Turm herum, Katharina schob das Rad vor sich her, Sebastian spielte mit den Pfeilen Mikado. Märtyrer führten einen Schwerttanz vor, und die Engel, die sonst krampfhaft die Trompete hielten, klatschten Beifall. Es löste sich der Kalk von der Mauer, die Fenster sprangen auf, und die große Rosette begann zu kreisen. Nur die Dämonen spielten nicht mit und hielten todernst ihre Stellung.“ Wer das könnte - sich einmal lösen aus der festgelegten Rolle und der Schwere der Verantwortung, einmal aus seiner Haut fahren, federleicht und unbeschwert sein, mal etwas anders machen, mit anderen lachen, „ver-rückt“ sein und sich freuen. Aber nein, unsere inneren Dämonen spielen nicht mit und halten todernst ihre Stellung: der Dämon, keine Zeit zu haben, der Dämon der Überanstrengung, geboren aus dem Wunsch, es möglichst allen recht zu machen, der Dämon der Angst und Schuldgefühle, der Dämon des Neides und der inneren Leere. Und so halten wir todernst unsere Stellung, sind pflichtbewusst und tüchtig, ordentlich und pünktlich und innerlich wachsen die Müdigkeit und die bleierne Schwere. Dabei könnte das Leben leichter, bunter, fröhlicher und mehr mit dem Menschen verbunden sein. Wir reden von Luft- und Freudensprüngen und tun sie vielleicht auch wie auf dem Foto zu sehen ist. Freude hat viel mit der Höhe, der Vertikalen unseres Lebens zu tun. Zur Leichtigkeit gehört auch das Spielen mit den Tönen, die Lust zu singen, zu summen oder zu pfeifen. Die Freude ist ein Gefühl innerer Stimmigkeit mit uns selbst und unserer Welt, das Empfinden von Einssein und Ganzsein. Wer sich freut, dem fällt es schwer, das für sich zu behalten. Denn das ist das Wunderbare der Freude: sie weckt den Wunsch miteinander zu teilen, sich für andere zu öffnen, etwas von sich zu geben und so auch unsere Umwelt licht und hell zu machen. Freude ist ansteckend und verbindend zugleich. Doch es gibt Menschen, denen ist die Freude verdächtig. Ist jemand fröhlich oder gar ausgelassen, fragen sie schnell, ob da was nicht stimmt. Sie betonen das Gefährliche, die Schwere und den Ernst des Lebens. Das Unbändige, das Kreative und Ungezügelte an der Freude rückt dann rasch in den Bereich der Infantilität, der Peinlichkeit und Leichtsinnigkeit. Schon im Lukas-Evangelium (Lk 7,32) heißt es: „Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt und ihr habt nicht getanzt.“ Trifft dieses Wort von Jesus nicht immer noch zu? Der Neid verhindert das „Sich-Mitfreuen“. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass der oder die andere ein Gefühl hat, das man gern hätte. Neid tötet Freude. Die Anfrage Jesu ist, ob wir lieber auf der Seite der Dämonen, also unserer Sorgen und Nöte stehen und todernst die Stellung halten wollen oder ob wir uns herauslocken lassen, so dass der Kalk von unseren Abgrenzungsmauern bröckelt, unsere inneren Fenster sich öffnen und die starr gefügten Rosettenkreise unseres Lebens wieder in Bewegung und Schwingung geraten. Die Freude, einfach sein zu dürfen, ist ein unverzichtbares Lebenselement und schenkt uns „Vitamine fürs Herz“. Vielleicht spüren wir hier und heute, dass es jenseits aller Leistung und Mühe einen göttlichen Seinsgrund gibt, der uns zusagt, dass wir sein dürfen, die wir sind. Aus Depressionen heraus wurde noch keine Welt verändert, wohl aber aus Lebensfreude und Lebensleidenschaft, aus der Wärme und dem Feuer der Freude und der Begeisterung. www.momme-nissen-haus.de

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